Supertaalk – Wenn der beste TV-Talk nicht im Fernsehen läuft


 

Es startete als charmantes Freiwilligenprojekt mit einigen Tonproblemen, hat sich aber innerhalb eines Jahres den “New Media Journalism Award” des Österreichischen Journalisten Clubs verdient: Supertaalk. Das gemeinsame Projekt der Teams von nonapartofthegame.eu und ichmachpolitik.at ist eine Talkshow, die hintergründige Gespräche über wichtige politische Themen unserer Zeit bieten möchte, und auch abseits von Awards sicherlich zu den spannendsten Journalismus-Projekten in Österreich gehört. Übertragen wird die Sendung über das Internet.

Bisher steht jeden letzten Dienstag im Monat eine intellektuelle Auseinandersetzung interessanter Gäste an. Diese diskutierten (zuletzt im besonders tollen Studio an der Donau) über Europa, zuvor über Themen wie Integration oder Medien (dem wurde sogar ein Liveticker im Standard gewidment). Und schon die erste Sendung machte klar, dass heikle Gebiete nicht gemieden werden, und setzte sich mit Europas Grenzen und dem FRONTEX-Einsatz auseinander.

Hintergrund, Analyse, Feuilleton, Kommentar. Polemik & Diskurs”, das sind die Leitbegriffe, denen das Supertaalk-Team sich verschreibt. Es schafft damit so etwas wie einen modernen Club 2 der 2010er-Jahre (das vermutete ich in meinem Blog übrigens schon Ende letzten Jahres ;)). Gerade das, was anderswo in den Medien keine würdige Behandlung erhält – vielleicht weil zu viele Interessen es verunmöglichen – versuchen die MacherInnen gebührend zu beleuchten. Es gelingt ihnen dabei, die Debatten von politischem PR-Sprech zu befreien.

Auch deshalb weil schon bei der Einladungspolitik darauf geachtet wird, dass die Personen auf der Couch etwas Intelligentes zu sagen haben und nicht nur billige Effekte haschen wollen. Bei tatsächlich offenem Gesprächsende kommen BloggerInnen und WissenschafterInnen zu Wort, aber eben auch in Österreich bekannte Menschen wie Ex-EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber oder die Journalisten Gerfried Sperl und Kurt Kuch beteiligten sich.

 

Einbindung des Publikums

Was den Supertaalk als Web-Projekt von heute hervorhebt, ist die Integration der ZuseherInnen. Diese können sich per Videoeinspielung einbringen, oder während der Debatte Inputs über Twitter und Facebook mitbringen. Auch das wird nicht mit der Verkrampftheit von so manchem TV-Talk erzwungen, sondern geschieht ganz selbstverständlich und unaufdringlich. Erstaunlich ist, wie gut die technische Umsetzung trotz allem Aufwands gelingt – was also selbst mit geringen Mitteln bei großem Engagement möglich ist.

 

Die nächste Runde

Im November kommt das Format aus der Sommerpause zurück und will sich gleich in drei Teilen dem brandaktuellen – aber doch auch immer wichtigen – Thema “Demokratie” widmen. Nicht nur kann man den Rechercheprozess der Redaktion dabei verfolgen, sondern ihn meist auch bereits mitgestalten. Wer möchte, steckt dem Team über den Blog oder delicious in der Vorbereitungsphase lesenswerte Artikel oder Hinweise zu. Falls jemand die Live-Sendung am 8.11. verpasst, wird man sie (wie die sieben bisherigen) auch hinterher im Archiv nachsehen können.

 

Header Image(s) from Pixabay & Gratisography

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